El Dia De Los Muertos – viel mehr als das „mexikanische Halloween“

dia_de_los_muertos_celebration_in_mission_district_of_san_francisco_ca0101011

Ab dem 1. November, einen Tag nach dem allseits bekannten Halloween, feiern die Menschen in Mexiko den Dia De Los Muertos – ein Fest, an dem die Mexikaner über mehrere Tage und Nächte hinweg ihre Toten ehren und feiern. Wer zu dieser Zeit schon einmal in Mexiko war oder wer auch nur von dem Fest gehört hat, hat sicher gleich eines vor Augen: die gruselig-morbide Verkleidung der Menschen mit schaurigen Masken oder bunt angemalten Gesichtern, zum Beispiel als „La Catrina“, die Skelettfrau, die viele von Euch sicher schon einmal als Tattoo bei Liebhabern der Körperkunst gesehen haben. El Dias De Los Muertos ist aber viel mehr als das „mexikanische Halloween“ – sein Ursprung geht bis zu den Azteken zurück, weshalb sein Brauch 2003 von der UNESCO zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit ernannt wurde.

DIE URSPRÜNGE

Die mexikanischen Urvölker glaubten an die Ewigkeit und Unzerstörbarkeit des Lebens – für sie war der Tod daher nicht sein Ende, sondern eine Phase im ewigen Kreislauf von Leben, Sterben und Übergang in eine andere, raum- und zeitlose Welt. Im Weltbild der Azteken stand außerdem die Gemeinschaft im Vordergrund – sie sahen ihr Leben nicht als ihren individuellen „Besitz“ oder ihre Verantwortung an und damit hatte das Leben an sich – genau wie der Tod – keine persönliche Schicksalshaftigkeit und keine individuelle Bedeutung für sie. Diese Einstellung ist ein Grundstein für den spielerischen, erhabenen Umgang der Mexikaner mit dem Tod, der im El Dia De Los Muertos Ausdruck findet.

LA CATRINA

lacatrina_original

Im Verlauf der Geschichte des Landes nach der Inquisition der Spanier – wie dem Erreichen seiner Unabhängigkeit, der Trennung von Kirche und Staat und der Revolution 1910 – wurde der Tod immer weniger im kirchlichen Kontext gesehen und mehr und mehr in Kunst, Liedern und Literatur verweltlicht. Ein Beispiel dafür – wahrscheinlich das berühmteste – ist „La Catrina“, die Skelettfrau, die Jose Guadalupe Posada zugeschrieben wird.

Die Legende besagt, dass er die Figur mit dem weiblichen Skelett in schicken französischen Kleidern entwarf, um die reichen Mexikaner zu verspotten, welche im Regime des Diktators Porfirio versuchten, den Europäern nachzueifern. Posada wollte damit angeblich ausdrücken, dass der Tod sich nicht um Reichtum, hohe Stellung oder schicke Garderobe schert und die Mexikaner sich daher treu bleiben und auf ihre Wurzeln besinnen sollen. Hier soll er angeblich wiederum Inspiration bei den Azteken gefunden haben – “La Catrina“ soll eine Abwandlung Mictlantecuhtli, der aztekischen Totengöttin und Königin von Mictlan, der Unterwelt, sein. “La Catrina“ wurde durch ihre Botschaft und ihre Verwurzelung mit ur-mexikanischen Legenden eine Hauptfigur der mexikanischen Revolution und ist daher bis heute eine der wichtigsten Figuren der mexikanischen Kultur.

DER BRAUCH DES EL DIA DE LOS MUERTOS

ofrenda

In den Tagen um den „El Dia De Los Muertos“ – so besagt der mexikanische Volksglaube – kehren die Seelen der Verstorbenen zurück, um den Hinterbliebenen einen Besuch abzustatten. Von Trauer kann aber keine Rede sein, es wird bunt, laut und köstlich gefeiert: Die Menschen schmücken ihre Häuser und Straßen mit den knallgelben cempasúchil-Blumen, deren Duft der Totengöttin Mictlantecuhtli zugeschrieben wird und den Seelen der Verstorbenen den Weg in unsere Welt weisen soll. In den Häusern werden ofrendas, bunte Totenaltäre errichtet, an denen die Toten empfangen werden, bevor sie mit frisch gebackenem pan de muerto, dem süßen Totenbrot, und den calaveras de dulce, Totenköpfe aus Zuckerguss bewirtet und gefeiert werden – angestoßen wird mit Mezcal und Tequila und dem Nationalgetränk Pulque, fermentierter Saft aus Agaven. Nach dem Essen gehen die Menschen auf die Straßen und feiern mit ihren Nachbarn und Freunden. Am letzten Tag, dem
2. November, wird traditionell ein Abschiedsfest auf den Friedhöfen mit Musik und Tanz gefeiert.

Auch wenn das traditionelle Volksfest sich mehr und mehr zu einer eher kommerziellen Kostümparty entwickelt, sind die Feierlichkeiten zum El Dia De Los Muertos ein bunter, wundervoller und lebendiger Ausdruck des ursprünglichen Verhältnisses der Mexikaner zum Tod, den Octavio Paz einmal so beschrieben hat:

Der Mexikaner dagegen sucht, streichelt, foppt, feiert den Tod, schläft mit ihm; er ist sein Lieblingsspielzeug und seine treueste Geliebte. Vielleicht quält ihn ebenso die Angst vor ihm wie die andern, aber er versteckt sich nicht vor ihm noch verheimlicht er ihn, sondern sieht ihm mit Geduld, Verachtung oder Ironie frei ins Gesicht.“ (Paz, Octavio: „Das Labyrinth der Einsamkeit“)


Lateinamerika hat aber noch viel mehr zu bieten. Eine Übersicht zu den Schätzen und Fundstücken im cosmopol Shop findest Du hier.


Quellen zum Artikel:

http://www.brauchwiki.de/El_d%C3%ADa_de_los_muertos_-_der_Tag_der_Toten_in_Mexiko
http://www.wissen.de/froehliches-totenfest-mexiko-feiert-den-dia-de-los-muertos
http://www.sfgate.com/mexico/mexicomix/article/La-Catrina-Mexico-s-grande-dame-of-death-2318009.php

Dieser Beitrag wurde unter Anlässe, Kunst, Lateinamerika, Lifestyle, news, Zentralamerika abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s